Es war nur sein Automat ... (und zwei weitere Gedichte)

Anlässlich der Einlassungen von Franz Beckenbauer Mitte November 2015 zu seiner Rolle im Skandal um das vermutlich gekaufte »Sommermärchen 2006«. Insbesondere seine Aussage, er habe, soweit er seinen Partnern vertraut habe, alles blind – ggf. sogar blanko – unterschrieben, ruft bei mir amüsante Erinnerungen an Walther Leisler-Kiep wach, der während der Flick-Spendenaffäre Anfang der 1980er Jahre zu einem von ihm unterzeichneten verfänglichen Brief aussagte, er sei es nicht gewesen, die Unterschrift stamme von seinem Unterschriftenautomaten. Immerhin hat diese Aussage damals zu einer Sternstunde der politischen Karikatur im Satiremagazin »Titanic« geführt: Eine Krankenschwester hält Leisler-Kiep einen Säugling entgegen, der wie aus seinem Gesicht geschnitten wirkt. Aber Leisler-Kiep streitet ab, der Vater zu sein: »Ich war das nicht, es war mein F…automat!«

 

NUR SEIN AUTOMAT

(ein Akrostichon-Sonett)

 

N un lasst den Franz! Wir woll’n ihn weiter lieben!

U nd glaubt ihm, wenn er Stein und Beine schwört:

R ein gar nichts hat der Kaiser Franz gehört.

 

S o traurig, wenn er liest, was and’re trieben.

E r selbst hat einfach nur was unterschrieben.

I ch frag mich wirklich, wer sich daran stört.

N atürlich ist der Kaiser Franz empört.

 

A uf Ehre! Er vertraute nach Belieben

U nd seine Unterschrift hat er ganz lieb

T reu, gläubig unters Dokument gesetzt.

O ft wusste er doch gar nicht, was er tat.

M an denkt sofort an Walther Leisler-Kiep!

A uch dem wurd’ damals heftig zugesetzt.

T at nichts – es unterschrieb sein Automat!

 

Dieses Akrostichon-Sonett sowie zwei weitere neue Gedichte (zur Berichterstattung über die Absage des Fußball-Länderspiels Deutschland-Niederlande in Hannover sowie zum VW-Abgasskandal) finden sich inzwischen in meinem neuen Lyrikband »Pfleimenbäume und andere Gedichte«