Pfleimenbäume und andere Gedichte in der Bücherei der Heilandkirche Mehlem

Am 12. Februar 2017 werde ich eine weitere Lesung mit meinem Gedichtband »Pfleimenbäume und andere Gedichte« bestreiten.

Allerdings werde ich dort aus aktuellem Anlass auch einige neuere (noch unveröffentlichte) Gedichte vortragen (zwei davon siehe unten).

 

Termin: Sonntag, 12. Februar 2017, 18:00 Uhr - 19:00 Uhr
in der Bücherei der evangelischen Heiland-Kirchengemeinde,
Domhofstraße 45, 53179 Bonn-Mehlem

 

Der Eintritt ist frei; der Veranstalter bittet um eine Spende.

 

Im Anschluss an die Lesung lädt das Büchereiteam zu einem Glas Wein ein.

 

Das Programm zur Lesung gibt es hier zum Download.

 


Zwei neue Gedichte, die ich auch bei der Lesung vortragen werde:

 

Alternative Fakten

 

»alternativ« – du großes Wort!

Wer dich verwandte, dachte kühn.

Dich gab es früher einmal dort,

wo Aufbruch keimte, links und grün.

 

»alternativ« – den ersten Stoß

gab dir ein Wort »Regierungssprech«.

Die Zwangsheirat mit diesem »los« -

na gut, das war vielleicht noch Pech.

 

»alternativ« – wo blieb dein Sinn?

Es tat mir in den Augen weh!

Du gabst dich der »für Deutschland« hin

im Sinnfrei-Kürzel »AfD«.

 

»alternativ« – als sie dich packten

mit dreistester Verlogenheit

und schamlos mit dem Wörtchen »Fakten«

vermählten – ja, da war’s soweit!

 

»alternativ« – derart erratisch

lässt du dich jetzt von jedem schänden!

Dann gibt‘s vielleicht bald »demokratisch«

»mit ohne Alles« – so kann’s enden!

 


Zu dem folgenden Gedicht hat mich ein Artikel im Feuilleton des Bonner General-Anzeigers vom 18. Januar 2017 inspiriert. Schon häufiger hatte ich mich beim Lesen des GA-Feuilletons an äußerst kreativen, originellen und wortgewaltigen Besprechungen großer regionaler Kunstereignisse erfreut, die mit ironisch-satirischen Konnotationen nicht selten eine große Aufgeschlossenheit zur Kleinkunst offenbaren, die in dem besagten Artikel vom 18. Januar in besonderer Weise betont wird. Ich habe im Folgenden nur ein längeres Zitat herausgegriffen – obwohl ich sehr deutlich unterstreichen möchte: Der gesamte Artikel »Denk, was du willst – ›Text Tour‹ im Künstlerforum« von Chr. zu Mecklenburg ist in jeder Hinsicht lesenswert (eine wahrscheinlich maßlos untertriebene Charakterisierung):

»Humor, Skepsis, Tücke und gedanklicher Tiefgang grundieren Experimente, die vorwiegend aus den Bereichen skripturale Kunst, Malerei und Zeichnung, Minimal Art, Arte Povera und Konzeptkunst hervorgehen. Wesen und gesellschaftspolitische Relevanz von Kunst, Kunstdeutung, Kunstgeschichte, Künstlerexistenz, Kommunikation … und Kunstmarkt stehen vielfach im Brennpunkt brillanter Auseinandersetzungen. (…) Ein Blickpunkt bildet beispielsweise das aus Myriaden von Stempeln (fröhliche, traurige Smileys) hervorgehende Wortstillleben eines Janos Brückner, die handschriftlich, pseudonaiv erläuterte Bildwelt von OMARA oder die hintertriebenen, durch Marcel Duchamps Zitate inspirierten Skizzen eines Timo Herbst. / Die Königstugend Malerei scheint auf als entlarvende Auftragskunst (Alexander Braun), als von Wortsignalen durchzuckte Nocturne (Yusuke Fukui) oder gar als täuschende Metamorphose von gewachsten Magazinblättern (Kathrin Graf). / Auf zwei Häuflein Asche (Papier) platziert Bildhauerin Zsofia Keresztes das in goldenen Lettern prunkende Schlüsselwort ›Less‹.«

 

 

Unsre Zeitung hier in Bonn

hat das schönste Feuilleton.

 

Feuilleton-Sonett

 

Nocturne, von Wortsignalen wild durchzuckt,

Metamorphose, vorgetäuscht aus Blättern,

gewachst, von Magazinen ausgespuckt –

so führt ihr uns zu jenen großen Lettern,

 

zum Schlüsselwort, nicht einfach nur gedruckt,

nein, hinplatziert, die Botschaft rauszuschmettern:

ein großes »Less«, von Asche fast verschluckt,

bemüht, ganz golden dort herauszuklettern.

 

Ach, könnte ich doch jemals so brillieren,

naiv und doch gekonnt – so »pseudo« eben.

Ich würde wirklich alles dafür geben,

 

würd‘ mich das Feuilleton mal so zitieren.

Doch, was ich denke, gründet nicht so tief.

Ich kann nicht »pseudo« – ich bin ich echt naiv.


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