Gedanken verloren (2. erweiterte Auflage)


Inhaltsverzeichnis und Leseproben 


Vorwort: BLAUER BAUM

 

I.  TÜCKEN DES ALLTAGS  

Das Menue

Kassenlotterie

Finanzmarkt-Jongleur

Billy-Regal        

SM-Laptop                           

KVB und BVG  

                               

II.  AUS DEM PRALLEN LEBEN   

Schade … 

Kluge Evolution 

Frühlingserwachen

Fahrt mit der Bahn 

Es fährt ein Zug nach Überall 

Acht-Tage-Woche

happyness

Preise, die sich verstehen …

Fußballsprache 

Online-Befragung

Lehrreicher Verkehrsfunk

Babett  

Auf der Suche

Die Trauerrede von Klawede 

Vier-Jahreszeiten-Park in Oelde 

Weihnachtsmarkt

Haus auf Samos

 

 III.  BONN UND WACHTBERG 

Bundesstädtchen 

Pink Punk Pantheon

Jedem Tierchen sein Pläsierchen

Bin jetzt Johanneskirche 

Straßenbahnfahrt in Bonn

Drachenfelser Ländchen

Sonetto Tedesco a Berkumano 

 

IV.  BERLIN    

Berliner Charme

Geständnis

Ess-Bahn

Monsterkabinett in den
   Hackeschen Höfen

Schaugarten Beuthe

Treptower Park

 

V.  HERNE UND BOCHUM

Haranni

Mal wieder in Herne

RUB

Westfalia Herne

 

VI.  AN NORD- UND OSTSEE

Das erste Mal

Gedanken verloren

Ostern auf Hiddensee

 

VII. GESUNDHEITSWESEN, POLITIK UND PROMIS

Gesetzgebung

Hilfreiche Arznei

RSA-Sonett

Gauckerei

Genderlyrik

Der gute Uli

 

VIII. NACHDENKLICHES   

Ganz generell

Irgendwann

Missgeschick 

 

   

       

 

 

IX. TIERQUÄLEREI   

        Vom Zitronenfalter zum Kohlweißling

        Hamsterrad

        Tierische Botschaft

        Konferenz im Haus der Tiere

        Bitte nicht fragen …

        Doppelt sinnlos

        Grausame Natur

 

X.  SPIEL MIT FÖRMCHEN

        Das schwierige Sonett

        Vierzehn Zeilen

        Reimzwang!

        Reimzwang-Sonett

        Abecedarius

        Sechsundneunzig

        Diabolo

 

XI.  KURZGEBRATENES

        Der die das Weil

        Das Verließ

        Gefummel

        Auto oder Straßenbahn?

        Kammerflimmern

        Unglück

 

XII. LIMERICKS

        Bernsteinsucher

        Goldbär

        Nonne in Versuchung

        Am Pfahl

        Einsame Hausfrau

        Sängerin

        Drachenfliegerin

        Linksfahrer

        Weltenbummler

        Tourist am Ätna

        Wattwanderer

        Rock ’n’ Roll im Altenheim

        Reiherschreck

        Rechthaber

        Choleriker

        Nichtsnutz

        Witze-Erzähler

        Börsen-Experte

        Schlangengrube

        In der Metzgerei

        Der Bischof aus Limburg

        Datenschützer

        Abrechnungsvirtuose

        Ewiges Leben

        Schwarze Löcher

        Geisterfahrer

        Kneipe in Ziethen

        Die Mieten in Ziethen

        Künstler in Ziethen

        Kino in Ziethen

        Taverne in Herne

        In der Kneipe in Poll

        Pferd auf dem Flur

        Der lange Tanker

        Vulkan auf Island

        Brautsuche

        Küssen in Füssen

        Doch manchmal kommt es anders ...

        Der Kaufmann in Gent

        Längeres Leben

        Wunder-Schuhe

        Dialog über wichtige Fragen des Lebens

 

Quellenverzeichnis

 

 



Bruno Bittstetter


Blauer Baum


rote tube
aus der Welt quillt
winde wasser
sie
zer
fet
zen
regenbögen
am blauen baume



Mit diesem dramatischen, völlig sinnfreien Gedicht hat es eine besondere Bewandtnis. Als wir Ende der 1960er Jahre in der Schule beim Expressionismus und Dadaismus gelandet waren, wagte ich mich mit diesem angeblichen Fundstück in den Deutschunterricht – mit der frechen Bitte, ob wir eine Interpretation dieses Gedichtes eines offenkundig expressio­nistischen (allerdings völlig unbekannten) Autors vornehmen könnten.

 

Für die wenigen eingeweihten Mitschüler und natürlich erst recht für mich selbst war das damals ein Heidenspaß. Es hatte schon ein wenig von Hape Kerkelings »Hurz«. Da wurde munter von der »roten tube« als der Weltrevolution fabuliert, und die Umwelt­­zerstörung sowie die drohenden oder sich rächenden Naturgewalten waren sowieso drin …

 

Nach so vielen Jahrzehnten will ich dann doch damit noch einmal herauskommen. Meinem damaligen Deutschlehrer, Dr. August Möritz, den ich im Übrigen sehr geschätzt habe, tut dies heute ganz sicher nicht mehr weh.

 

Ich selbst habe nun im Ruhestand den »Blauen Baum« wieder aufgenommen und begonnen, Gedichte zu schreiben – allerdings nicht ganz so dramatische wie mein damaliges »Erstlingswerk«.

 

Herbert Reichelt


Acht-Tage-Woche

 

Sieben Tage hat die Woche,
sieben Tage – keinen mehr,
und ich frag mich jede Woche,
wo krieg ich den achten her?

 

Warum hat’s der liebe Gott
bei der Schöpfung nicht bedacht?
Sieben Tage sind zu wenig,
ich bräucht’ jede Woche acht.

 

Schau ich in die Welt hinaus,
zeigt sich, ich bin nicht allein.
Nirgends reicht die Woche aus,
das ist so was von gemein.

 

Hätt die Woche doch acht Tage,
dieser Airport in Berlin
wär doch längst schon ohne Frage
fix und fertig, wie mir schien.

 

Und die Bahn wär wieder pünktlich,
denn sie hätte viel mehr Zeit,
alle Arbeit wieder gründlich,
niemand drängelte im Streit.

 

Ach, wie einfach wär das Leben,
hätte jede Woche acht.
Aber meistens geht daneben,
was zu Anfang nicht bedacht.



Die Trauerrede von Klawede


Stadtgespräch war in Klawede
Willis kurze Trauerrede,
die er bei der Trauerfeier
für den jüngst verstorb’nen Meyer
in der Trauerhalle sprach.


Und auch Monate danach
ward von dieser kurzen Rede
noch gesprochen in Klawede:


»In Trauer steh’n wir hier vereint,
sind sehr betroffen, mancher weint.
Lasst uns an den Verstorb’nen denken,
ihm unsre stille Andacht schenken.


Wir war’n zusammen viele Jahr’,
uns wurd’ gemeinsam grau das Haar.
Er war doch stets in unsrer Näh’
An ihn zu denken, tut jetzt weh.


So plötzlich hat er uns verlassen,
wir können es noch gar nicht fassen.
Dass der sich so vom Acker macht,
das hätt ich wirklich nicht gedacht.


Ich werde ihn bestimmt vermissen,
den Wunsch, er möge sich verpissen!
Mal ehrlich und ganz unverhohlen:
Was hat der uns die Zeit gestohlen!


Was war der für ’ne taube Nuss!
Der redete doch dauernd Stuss.
Ihm zuzuhör’n war eine Qual.
Das weiß doch jeder hier im Saal!


 

 

Und Glückwunsch seiner lieben Frau!
Sie ist ihn los, den eitlen Pfau.
Jetzt ist sie endlich wieder frei.
Ich bin das auch – nur nebenbei.

 

Bevor ich nun vom Podium husch’,
vom Streichertrio einen Tusch!
Ach, wird das eine schöne Feier!
Wir sind ihn los, den alten Meyer!«

 

Erst gab es nur betret’nes Schweigen.
Stumm blieben auch zunächst die Geigen.
Dann klatschte jemand ganz verstohlen,
es zischte wo: »den Teufel holen«.

 

Ein leises Flüstern konnt’ man hören:
»Recht hat er doch! – Mich soll’s nicht stören.«
Es klatschten ein paar Hände mehr,
»Er spricht es aus!« rief lautstark wer.

 

Dann brandete der Beifall los,
und »Bravo, Willi!« hieß es bloß.
Auch Meyers Witwe kam herbei,
umarmte Willi: »Ich bin frei!«

 

So nahm es doch mit dieser Wende
für Alle noch ein gutes Ende.
Und Stadtgespräch war in Klawede
noch lange Willis Trauerrede.

 



Bin jetzt Johanneskirche

 

Im Bus ist’s immer mal zu hören:
»Bin Johanneskirche jetzt«,
lass mich nicht davon verstören,
wenn wer solchen Unsinn schwätzt.

 

Denn ich seh doch ganz genau,
wie der Mensch, der’s sagt, schaut aus,
ist zwar groß und gut gebaut,
doch bestimmt kein Gotteshaus.

 

Steckt der Mensch in einer Krise
und verlor Identität?
»Bin jetzt schon Rigal’sche Wiese«,
hoffentlich ist’s nicht zu spät!

 

Kirche, Wiese – er muss handeln
wie das beim Chamäleon geht,
scheint sich stets in das zu wandeln,
was grad in der Nähe steht.

 

Fühl mich oft dazu geneigt,
seinen Irrtum aufzuklären.
Was, wenn ihm zu Kopfe steigt,
dass wir grüne Männchen wären?

 

Doch ich fürchte, wenn ich sage,
er sei wirklich keine Wiese,
kommt vielleicht die Gegenfrage,
wie ich das denn wohl bewiese?


Denn er war’s ja nur grad eben,
für ’nen winzigen Moment,
dann zurück im Menschenleben,
ganz normal, wie man ihn kennt.

 

Und die Zeit würd wohl nicht reichen,

dieses alles aufzuklären.
Ich werd wohl die Segel streichen,
lass ihn einfach nur gewähren.

 

Und ich wette, als ich seh,
wie er’s Handy wieder nimmt,
jetzt wird er zur »Rheinallee«,
und tatsächlich – ja, das stimmt!

 

Ja, man lernt es doch zu fassen,
dieses mystische Geschehen,
muss es einfach wirken lassen
und mit andren Augen sehen.



Sonetto Tedesco a Berkumano


Soll klingen wie Musik, wie Poesie,
das geht mit Roma, Pisa und Milano,
mit vino, pomodoro, parmigiano,
gelingt mit Wachtberg-Berkum aber nie,


mit Poppeköche-Kappesköpp macht’s Müh.
Ach, wär ich doch am Lago di Lugano
und lauschte Adriano Celentano,
ich hätte ein Sonetto noch heut früh.


Doch ich sitz hier in Berkum vor dem Haus,
mit Blick auf Himbeerstrauch und Birnenbaum,
und denk, am besten mache ich daraus


den cremig-süßen Früchte-Sahneschaum,
mit einem kleinen Schuss vom Amaretto,
dann fehlt mir ganz bestimmt auch kein Sonetto.




Sieh, das Gute liegt so nah! Diese alte Weisheit trifft sicherlich auf diesen Schaugarten in Schwante zu (nahe der Autobahnausfahrt Oberkrämer an der A10 gelegen). Hier hat die Familie Beuthe seit vielen Jahren mit privatem Engagement aus einer alten Baumschule einen außergewöhnlichen Park geschaffen. Leider kennen diesen schönen Flecken in der unmittelbaren Berliner Umgebung viel zu wenige … 

Schaugarten Beuthe


Ist schon ziemlich abgedreht,
dieser schöne Garten.
Wie man hinkommt, aber steht
nicht auf Straßenkarten.


Ist nur was für Eingeweihte,
doch die’s kennen, kommen gern,
immer dann, wenn sie das Weite
suchen, aber nicht so fern.


Nur ’ne gute halbe Stunde
fährt man von Berlin,
und dann kann man schon ’ne Runde
durch den Garten zieh’n.


Wie kommt man auf die Idee,
einen solchen Park zu bauen?
In der Gegend j.w.d.,
das muss man sich erstmal trauen!

 

Wer erwartet hier in Schwante

eine Renaissance-Anlage?
Wer ahnt diese unbekannte

Pracht in dieser Lage?

»Renaissancegarten ›Gamberaia‹ im Schaugarten Schwante«, Urheber: Michael Beuthe, übernommen von http://www.schaugarten-schwante.de/index.php?cont=foto, mit freundlicher Genehmigung von Michael und Bärbel Beuthe (von mir vorgenommene Veränderung: aufgeweichte Ränder)

An den schönen Lotosteichen
leuchtet Dir ein Blütenmeer,
weiß und rosa ohnegleichen,
und es fällt Dir einfach schwer,


Dich zu lösen, fortzugehen,
setzt Dich, nimmst Kaffee und Kuchen,
will man solch Idylle sehen,
kann man lang vergeblich suchen.


Fühlst Dich wie im Märchengarten.
Gäb es einen Bahnhof hier,
würdest Du auf Lukas warten,
und auf Emma, glaub es mir.


Doch Dich würd es auch nicht wundern,
wenn sie ohne Gleise flögen,
hinter diesem Säulenhügel
plötzlich um die Ecke bögen.

 

Genießt die Ruhe, fern der Stadt,
und Du denkst, ist’s wirklich wahr?
Wer das hier geschaffen hat!?
Ach schade, dass ich wieder fahr.



Berliner Zeitung (Online-Ausgabe vom 24.04.2014): »Professx, ausgesprochen ›Professix‹, nennt sich Lann Hornscheidt von der Humboldt-Universität (HU) Berlin – und hat damit eine weitere Variante geschaffen im Bemühen, sprachliche Diskriminierungen von Geschlechtern zu vermeiden … Bisherige Formen wie das Binnen-I in StudentInnen oder der Unterstrich in Student_innen reichen ihr … nicht aus. Sie vermitteln ihrer Meinung nach nur: ›Es gibt Frauen und Männer und dazwischen vielleicht noch ein paar andere Leute.‹ Ein sauber gegenderter Satz könnte stattdessen lauten: ›Dix Studierx hat in xs Vortrag darauf aufmerksam gemacht, dass es unglaublich ist, wie die Universität strukturiert ist, dass es nur so wenige schwarze Professxs gibt‹ (ausgesprochen: ›ikses‹).«

Genderlyrik

 

Ist wohl nichts mehr dran zu ändern,
Jede/Jeder muss heut gendern.
Manche/Mancher hofft, die Pflicht
gelte nicht für ein Gedicht.

 

Kriegen Dichter/Dichterin
das mit »Jede/Jeder« hin?
Jede/Jeder sieht vielleicht,
das wird gar nicht mal so leicht.

 

Doch auch bei der X-Idee
der Professx von der Spree
denk ich schamhaft im Geheimen:
»Das wird schwierig mit dem Reimen.«

 

Und die älteren Gedichte
wären ja im neuen Lichte
alle nochmals neu zu fassen.
Ach, ich will das lieber lassen.


Ich versich’re hoch und heilig,
war ich häufig auch zu eilig,
»Jede/Jeder« hinzuschreiben,
und lass ich’s auch wieder bleiben,
habe wirklich Tag und Nacht
stets nur/auch an »sie« gedacht.




Konferenz im Haus der Tiere

 

Im Haus der Tiere, Chefetage,
redet man sich grad in Rage.
Hitzig wird’s, klimatisch heiß,
es konferiert der Führungskreis.
Der Löwe brüllt: »Ich mach nicht Druck,
doch ich erwarte einen Ruck!
Dass endlich die Entscheidung fällt.
Wird die Kuh jetzt eingestellt?«

 

Umfassend widmet sich der Frage
die Beratungsunterlage.
Alles »Für« und alles »Wider«
schrieb darin die Eule nieder,
ausgewogen und geduldig,
doch blieb die Empfehlung schuldig,
wie man denn votieren sollte,
weil sie das partout nicht wollte.

 

Und nun löst sich nicht der Knoten.
»Für« und »Wider« auszuloten,
müh’n sich alle Tiere sehr,
der Entscheidungsdruck wiegt schwer.
Auf den Punkt bringt es der Hahn:
»Wie schnell hat man sich vertan!
Unbedingt gilt’s zu vermeiden,
dass wir heute falsch entscheiden.«


Denn für ihn sei nicht heraus,
ob die Kuh in diesem Haus
wirklich gut zu pflegen wäre,
und aus diesem Grund verwehre
er sein »Ja« zu diesem Plan.
Bei allen Gründen, sagt der Hahn,
die für die Kuh-Einstellung sprächen,
fürchte er, das könnt sich rächen.

   


Doch bezweifelt nun die Ziege,
ob der Hahn da richtig liege,
bittet, an die Milch zu denken,
die bei Konferenzgetränken
künftig einzusparen wäre,
und dass die Erfahrung lehre:
»Personell zu investieren,
hilft im Markt nicht zu verlieren.«

 

Zweifelnd wiegt den Kopf der Bär,
sagt, er sorge sich doch sehr
um die Sache mit der Weide,
denn man sei nicht in der Heide,
sondern mitten in der Stadt,
wo man Wiesen selten hat.
Und er hege den Verdacht,
das sei noch nicht ganz durchdacht.

 

Und so geht es hin und her,
die Entscheidung fällt zu schwer.
Die Lösung naht vor Mitternacht,
als der Fuchs den Vorschlag macht,
dass man einen Kreis beriefe,
der das Thema dann vertiefe,
off’ne Fragen neu bewerte
und die Fakten noch erhärte.

 

Und so können sie entscheiden,
die Entscheidung zu vermeiden.
So gibt’s auch kein Fehlinvest,
weil’s ja alles offen lässt.
Und man kann die schwere Frage
noch beraten viele Tage.
Glücklich sind sie, haben Ruh.
Das gilt besonders für die Kuh.




Sechsundneunzig


Die Neun sagt: »Ich bin mehr als Du!«
Die Sechs meint: »Unsinn ist das doch!
Ich hab ’nen Letter mehr als Du,
und krieg den Bogen ständig hoch!


Bei Dir – mir tun die Augen weh –
hängt er nur immer schlaff herunter.«
Die Neun ruft: »Pah! Wenn ich mich dreh,
dann wird mein Bogen wieder munter!«


»Wenn wir uns drehen«, lacht die Sechs,
»dann wirst Du das bereu’n.
Denn Du wirst dann zur kleinen Sechs,
und ich werd eine Neun!


Doch wenn ich mich zur Seite lege,
und mich auf Dich zu bewege,
und Du tust das auch,
dann sind wir Bauch an Bauch.«


Die Neun meint: »Lass es uns versuchen!«
Schon sind die beiden eng umschlungen.
Kannst Bögen nun vergeblich suchen,
die werden dabei fast verschlungen.


Ganz in Ekstase, Neun und Sechs,
sie haben hemmungslosen Sex,
vereint in tiefer Sinnlichkeit.
Sie werden zur Unendlichkeit.



Abrechnungsvirtuose


Ein Radiologe aus Premich
verdiente sich echt dumm und dämlich,
denn er fand virtuos
die Gebühr, die bringt Moos.
Seine Rechnungen klangen stets ähnlich.


Schwarze Löcher


Es wollte ein Forscher aus Hunden
im All Schwarze Löcher erkunden.
Und er hat auch entdeckt,
was darin alles steckt,
doch ist mit dem Wissen entschwunden.


Der Kaufmann in Gent


Es war mal ein Kaufmann in Gent
total und komplett insolvent.
Doch er bat um Geduld,
denn er würd seine Schuld
bezahlen, wenn’s bald bei ihm brennt.


Ewiges Leben


Es erfand einst ein Forscher in Menden
die Arznei, ewig’ Leben zu spenden.
Dass es wirkt, fehlt der Nachweis,
wofür jeder den Grund weiß:
Die Beweisführung wollte nicht enden.


Der lange Tanker


Ein Schiffskapitän aus Sri Lanka,
der fuhr einen sehr langen Tanka.
Fuhr das Heck los in Kiel,
war der Bug schon am Ziel.
Da blieb er dann lieber vor Anka.


Dialog über wichtige Fragen des Lebens 


»Ach, sag mal, der Dingens aus Essen,
nein, ursprünglich kam der aus Hessen,
war gebürtig in Wien,
hat studiert in Berlin.
Hat der nicht ein Haus dort besessen?«


»Ich hab Deine Fragen gefressen!
Hör auf, mit dem Blödsinn zu stressen!
Denn dass ich Deinen Spleen
auch noch ernsthaft bedien,
das kannste nun wirklich vergessen.«


»Der kam ja auch gar nicht aus Hessen,
hat dort nur sein Häuschen besessen.
War gebor’n in Berlin
und studierte in Wien!
Doch wohnt der jetzt wirklich in Essen?«


»Das ist ja bei Gott nicht zu fessen!
Dir fehlen im Schrank ein paar Tessen!
Berlin oder Wien?
Da kannste mit zieh’n!
Du solltest es wirklich mal lessen.«


»Ich glaube, sein Haus stand in Essen.
Er selbst wohnt schon länger in Hessen.
Doch die Uni? Mir schien,
die war doch nicht in Wien.
Jetzt hab ich’s tatsächlich vergessen!«