Der Kuss des Delta


Inhaltsverzeichnis und Leseproben


Vorwort

 

I. DER ALLTAG UND SEINE TÜCKEN

   Billy-Regal

   Im Baumarkt

   Leere Taschen

   Schwäbisches Gebet

   Leider total verbaut …

   So grün und weiß …

   Der Maibaum

   Jahresreigen

   Weihnachtsfrei

   Abschied vom Abschied

   Back to the Roots!

   Preise, die sich verstehen …

   Acht-Tage-Woche

 

II. UNTERWEGS

   Intercity-Exzess

   Fahrt in der Bahn

   Bonn-Berliner Bahnhofsidylle

   Es fährt ein Zug nach Überall

   Bin jetzt Johanneskirche

   Straßenbahnfahrt in Bonn

   Berliner Charme

   Lehrreicher Verkehrsfunk

   Mit umgekehrten Wagenreihungen

 

III. IDYLLE PUR

   Drachenschlucht bei Eisenach

   Gedanken verloren

   Frühling

 

IV. KANN DENN SÜNDE LIEBE SEIN?

   Vierzehn Zeilen

   Liebeswahn

   Der Kuss des Delta

   Eine Smartphone-Liebe

   Taxistand

 

V. LEBEN, TOD UND EXISTENTIELLES

   Philosophen an der Theke

   Lahme Party

   Dialog über wichtige Fragen des Lebens

   Die Trauerrede von Klawede

 

VI. GESUNDHEIT!

   Abnehmen!

   Das Leben ist eine Seuche

   Wer hätt’s denn ahnen können …

   RSA-Sonett

   Hilfreiche Arznei

   Idijodisierung

   Von Geistern und Motten

 

VII. KEINE POLITIK HEUTE!

   Trautes Familienglück

   Leidenschaftliche Rede

   Heilig Autoland

   Augenhöhe

   Der Schulzzug

   Sankt Martin

   Hellas, altes Haus!

   Ein Missverständnis

   Gar nicht lustig!

   Balken haben kurze Beine

   Alternative Fakten

   So Fragen

   Präsidentenpraktikum

   Skandal!

   Klimawandel

   Kleine Laus und große Leber

   Genderlyrik

 

VIII. UND WO BLEIBT DER SPORT?

   Rund und eckig

   Aufgeklärt

   Snooker

   Ausgebremst

   Die Fünfundachtzig Kilometer-Tour

 

IX. TIERE LYRIKEN IMMER GUT

   Eine unglückliche Familie

   Sie trafen sich in Altona …

   Erst wenn der letzte Buchsbaum gefallen ist …

   Song Contest

   Doppelt sinnlos

   Tierende Tiere von A bis Z

   Konferenz im Haus der Tiere

   Die gescheiterte Revolte

   Zum Kuckuck!

   Einmal Prinz …

   Vom Zitronenfalter zum Kohlweißling

 

X. SO WAWA

   Darauf hat die Welt gewartet

   Sonne hin

   postpoetry.

   Ganz leicht wawa

   Schwer wawa

   Wenn die Mücken grasen

   Deswegen

   Das Elend der Vokale

   Busse und Vergebung

   Gern mal was Banales

   Galerie – jetzt oder nie!

   Meine erste Vernissage

   Und was ist Kunst?

   Paulus an die Godesberger und Wachtberger

   Paulus schrieb ins Kirchenbuch

 

XI. MECKLENBURGISCHER ZYKLUS

   Denk, was du willst

   »plusminus weißgraublauviolett«

   Kristallin schimmernde Hohlkörper

   Schreiende Klarinetten

   Klangnebel und Vulkanausbruch

   Malen in der dunkelblauen Stunde

   Poesie und Melancholie

   Begegnung

 

XII. REIMZWANG

   Im Kaffeehaus

   Vierzehnzeiliger Traum

   Sonetto Tedesco a Berkumano

   Reimzwang-Sonett

   Sonette würd’ ich sowas von vermissen

   Schreibblockade

 

XIII. SPIEL MIT FÖRMCHEN

   Diabolo

   Haiku

   A-E-I-O-U

   Gestanze

   Abecedarius

   Wilde Weingelage oder: Entschuldigung in aller Form 

XIV. WEITERE 111 SÄTZE MIT …

   Alphabetisches Verzeichnis

   Bretagne

   Waterkant

   Gouvernante

   Meisenknödel

   Malente

   Salzkammergut

   Prestige

   Komantschen

   Luder

   dissent

   Verona

   Gemeinkosten

   Magensaft

   Rucola

   Diktaphon

   Garantie

   Verdikt

   Versailles

   Voltaren

   profund

   Cannabis

   Lissabon

   Málaga

   Triptychon

   Programmierer

   Baltrum

   Matterhorn

   Fensterband

   Málaga

   Dresden

   Malheur

   Gratisprobe

   Wagenheber

   Liegenschaft

   voluntaristisch

   Karmann

   Kommanditist

   fatal

   vegan

   Cézanne

   Remise

   moderat

   Delikt

   Rheuma

   sekundär

   Zinserträge

   Kanzleramt

   Majorität

   Passepartout

   Sperma

   grundieren

   Sonnenschein

   Vancouver

   Mustafa

   Val d’Isere

   Bilanzwahrheit

   Syphon

   Kontenplan

   Ban Ki-moon

   Sokrates

   Zinnober

   sensitiv

   Antipasta, Stelltisch

   Samos

   Silhouette

   Tasmania

   Stachelbeeren

   Candida

   Muezzin

   Calvados

   Dominanz

   Eucharistie

   Ankara

   Bahamas

   Abu Dhabi

   Simmerath

   Gouda

   Wonnegau

   Alabaster

   Spitzenverband

   Kansas

   Physis

   Devisen

   Andernach, Barschaft

   Galeria

   Alemannia

   Fondue

   Stadtwaage

   Liederbücher

   Lektüre

   Optik

   Cézanne

   Wannsee

   burschikos

   Wassersieden

   Pfanddepot

   Kontermutter

   Wiedersehen

   faktisch

   Manieren

   Magnet

   Dividende

   Ruine

   Bahrain

   verlustfrei

   Radiergummi

   Hammerfest

   Mandat

   Kriechstrom

   Malheur

   Kentucky

 

XV. 13 SÄTZE MIT WACHTBERG

   Niederbachem

   Oberbachem

   Züllighoven

   Berkum

   Werthhoven

   Arzdorf

   Fritzdorf

   Adendorf

   Holzem

   Villip

   Pech

   Gimmersdorf

   Ließem

 

Zum Autor



Vorwort

 

Noch’n Gedicht? Noch’n Gedichtband? Es macht einfach viel zu viel Spaß, diese Verse zu schmieden. Und natürlich gibt es da die vage Hoffnung, dass der Spaßfunke auch auf den Leser oder den Zuhörer überspringt.

 

»Komische Lyrik« – ein Genre, dem in der gegenwärtigen Literaturszene nur wenig Beachtung geschenkt wird. Es dominieren als aktuelle Lyrikformen eindeutig der Poetry Slam und die sich in freier Form entfaltende moderne Lyrik, mit der zumeist auch eine bewusste Absage an metrische Korsette und insbesondere den »Reimzwang« einhergeht. Das klassische, überwiegend reim- und metrumgetragene, komische Gedicht ist heute gewiss kein Mainstream.

 

Wenn ich mich trotzdem vorwiegend genau in diesem Genre tummele, dann kann ich dafür eigentlich nur zwei Gründe nennen: Erstens macht es einfach Spaß, und zweitens ist es eine wunderbare Herausforderung, unter Einhaltung (oder ggf. auch bewusster Verballhornung) solcher Regelsysteme (hoffentlich) unterhaltsame Lyrik zu Papier zu bringen.

 

Hier lege ich nun meinen dritten Band mit (überwiegend) komischen Gedichten vor.

 

Einige Anmerkungen dazu: Weil mein erster Gedichtband (»Gedanken verloren«) inzwischen nicht mehr zu bekommen ist, ich aber auch keine Neuauflage plane, habe ich einige Gedichte daraus in überarbeiteter Form hier aufgenommen, und zwar vorrangig diejenigen Gedichte, auf die ich in Lesungen häufiger zurückgreife. Einige Gedichte in diesem Band, insbesondere die meisten Gedichte im Kapitel »Keine Politik heute!« sind als »lyrische Kommentierung« tagespolitischer Entwicklungen und Ereignisse entstanden und müssen deshalb auch tagespolitisch eingeordnet werden. Wo es aus meiner Sicht erforderlich war, habe ich deshalb in einem kleinen Vorspann zu den Gedichten diesen tagespolitischen Kontext kenntlich gemacht. Einen ganz großen Dank richte ich an Norbert Bogusch, der für den Buchumschlag erneut ein treffendes Bild zum Buchtitel gemalt hat und der zudem die wunderbare grafische Umsetzung der Zwischentitel des Buches beigesteuert hat.

 

Mein herzlicher Dank gilt aber auch dem Kid Verlag und namentlich Hans Weingartz, der diesen Lyrikband verlegt hat und der mir bei der Auswahl der Gedichte und der Gestaltung des Buches sehr geholfen hat.

 

Im August 2017, Herbert Reichelt

 




Im Rheinland gibt es die schöne Tradition, dass die jungen Männer ihrer Angebeteten in der Nacht zum 01. Mai eine junge Birke ans Haus binden. Nicht in jedem Fall hat das die gewünschte Wirkung …

 

Der Maibaum

 

Ein Maibaum klagte in der Nacht:

»Wer hat mich bloß hierher gebracht?

Wahrscheinlich so ein Birkenhasser,

ich hab’ ja unten nicht mal Wasser!

 

Man lässt mich gnadenlos verdorren,

als wäre ich ein alter Knorren.

Ich sage euch: Das geht zu weit,

welch’ Ausmaß an Gehässigkeit!«

Dies hörte nun die liebe Dirke,

die Adressatin dieser Birke.

Sie ließ am nächsten Tage wissen:

»Ich find’ das sowas von beschissen:

 

Ein Maibaum, der für mich verdorrt,

ist doch – ich sag’s mit einem Wort:

der allerallergrößte Stuss!

Deshalb mach’ ich mit ihm jetzt Schluss!«

 

Den armen Jan traf’s ohne Warnung.

Er hatte nicht die kleinste Ahnung,

was dabei schief gelaufen war.

Dabei war das doch sonnenklar.

 

Denn merke: Soll der Maibaum wirken,

wähl’ niemals sprachbegabte Birken!





Der Kuss des Delta

 

Wenn aus wilden Polynomen

ängstlich Fixvektoren fliehen

und – auch das ein schlechtes Omen! –

Geraden gen Unendlich ziehen,

 

wenn ein Lambda und zwei Phi,

eines groß, das andre klein,

sorgenvoll sich fragen: »Wie

kommen hier Skalare rein?«,

 

wenn die Asymptoten-Pfoten

gierig deinen Stift ergreifen

und des Gammas düstre Boten

liederlich die Graphen streifen,

 

wenn des Oktaeders Grauen

dich zur Polstelle hin treiben,

Alpha, Beta um sich schauen

und an Übergängen reiben,

 

 

wenn die My’s exponentiell

in der Ebene sich verlieren,

Wert und Stelle irre schnell

Startvektoren limitieren,

 

wenn ein Delta dich im Traum

liebevoll und sanft umschwärmt,

wachst du auf im Klassenraum

und ahnst betroffen: »Nichts gelernt!«

 

Hat dich auch Mathe nicht erreicht

und fehlt dir, was man wissen müsst,

ist dir ums Herz doch ach so leicht,

wenn dich im Traum ein Delta küsst.